NZA von Anfang an

Als im Jahre 1923 in Deutschland Arbeitslosigkeit, finanzielles Chaos mit Hochinflation - eine Billion hatte den Wert einer Mark - und als allgemeine Unzufriedenheit herrschte, fanden sich gleichgesinnte Freunde, die Frohsinn in die trostlose Zeit bringen wollten.

Vor allem war es Heinrich Husemann sen., der mit Heinrich Krause und Ludwig Hoffmann die Bewohner des Aasee-Viertels aus ihrer Lethargie aufrütteln wollte, um mit ihnen durch närrisches Treiben etwas Sonnenschein in die tristen Tage zu bringen. Da die Aa in diesem einstmals durch viele Windmühlen gekennzeichneten Stadtviertel ihr Zuflussgebiet nach Münster hat und der Aasee als Erholungs- und Sportgelände schon in den zwanziger Jahren geplant war (der Ausbau auf nahezu die doppelte Größe erfolgte 1974 -1975), nannte man diese Gesellschaft zur Förderung westfälischen und münsterischen Brauchtums "Narrenzunft Aasee". Schon bald stellte man fest, dass man sich eine umfangreiche, aber auch dankbare Aufgabe gestellt hatte. Die Gesellschaft wurde zielstrebig ausgebaut.

In den Jahren 1933 -1936 wurde der älteste, also östliche Aasee-Teil fertiggestellt. zu dieser Zeit bekam die "Narrenzunft Aasee" (NZA) ihre Traditionsfigur, den Kobold und Freudenspender, der noch heute vom 11.11. bis zum Aschermittwoch seine Regentschaft antritt: den "Klabautermann".

Alljährlich wird er zu Beginn der Karnevalssession aus den Fluten des Aasees gelockt. Mit seinem Erscheinen beginnt die Karnevalszeit. Am Aschermittwoch muss er dann nach seiner Verbrennung mit seinen Nixen zurück in den Aasee und dort auf seine "Wiedergeburt" bis zum 11. im 11. warten. In diesen rund drei Vierteljahren hat er Gelegenheit, das Zeitgeschehen kritisch unter die Lupe zu nehmen, um der Welt in der nächsten närrischen Session den Spiegel vorhalten zu können.

In der im Jahre 1933 angebrochenen turbulenten Zeit hatten sich auf Geheiß der damaligen Machthaber Gesellschaften zusammenzuschließen. "Gleichschalten" nannte man das. Eben deshalb erfolgte die Vereinigung der Karnevalsgesellschaften "Aegidii-Altstadt von 1910" mit der "Narrenzunft Aasee von 1923".

Wie aus der Vereinschronik hervorgeht, zählte "Aegidii-Altstadt" zu den ältesten damals bestehenden münsterischen Karnevalsgesellschaften. Als der "freiwillige" Zusammenschluß geschehen war, brachte die "Narrenzunft Aasee" im Jahre 1937 ihren originellen 0rden "De Isel mott" heraus.

Mancher wird fragen, was "De Isel mott" ist und bedeuten soll. Das ist berechtigt.

Vor hundert Jahren lebte im Aegidii-Viertel der münsterische Zoobegründer und Schöpfer der "Abendgesellschaft Westfälischer Zoologischer Garten", Prof. Dr. Hermann Landois (1835 -1905). Die Landois' waren eine Emigrantenfamilie. Daher rührt ihr französischer Name. Der weitest zurückliegende und nachweisbare Landois war im lothringischen einst Winzer (vigneron) gewesen. Der Professor pflegte seinen Namen gern so zu deuten und zu übersetzen: "I' an doit" (= der Esel muss). Ins Plattdeutsche übertragen lautet das: "De Isel mott". Nach 1933 war es den Aegidianern ebenso ergangen wie den Aasee-Nachbarn: "Der Esel muss" (sich vereinigen).

Wie überall unterbrach der Krieg 1939 - 1945 auch die Aktivität der "Narrenzunft Aasee". Doch ab 1946/1947 wurde um so stärker das Zepter der Freude und des Frohsinns geschwungen.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der "Gesellschaftsclub Pluggendorf" (GCP) für den Wiederaufbau der NZA eine bedeutsame Stütze war. Ob Saalfragen oder gesellschaftliche Probleme anstanden: immer fand die NZA im GCP echte und beste Freunde.

Einer der Aktivsten der ersten Nachkriegsjahre war der spätere Ehrenpräsident Heinrich Husemann jun., der Sohn des Gründers der "Narrenzunft Aasee". Ihm standen echte Kämpen der Narretei, wie Josef Hammecke, zur Seite, so dass der Gesellschaft schon bald ein schwungvoller Aufstieg beschieden war.

In dieser Zeit, nämlich im Jahre 1947, beginnt das Wirken eines Mannes, der sich - wie wohl keiner! - um die "Narrenzunft " verdient gemacht hat: Georg Schüring. Von 1947 bis 1994, also mehr als 45 Jahre, leitete er in ununterbrochener Folge als Präsident die Geschicke der Gesellschaft. "Es gab viele Höhen und Tiefen", so liest man in der Chronik der Gesellschaft, "aber unser ,Schorsch' verstand es immer wieder, als Mann der Mitte einen goldenen Weg zu finden, um dem münsterischen Karneval die Urwüchsigkeit zu erhalten, eine Oase der echten Fröhlichkeit zu schaffen und - allen Unkenrufen zum Trotz! - närrisches Treiben für Jedermann, nämlich Volkskarneval, zu feiern.

Auch ist es sein Verdienst, dass die Proklamation des Stadtprinzen nicht einer privilegierten Schicht vorbehalten bleibt, sondern unter Beteiligung aller Bewohner unserer Stadt im Rathaus-Innenhof (heute auf dem Prinzipalmarkt) stattfindet.

Die närrische Zeit, so Georg Schüring, sei für alle da; denn ein reiner Gesellschaftskarneval wäre zum Sterben verurteilt. Für ausgesprochene Geschäftemacher sollte nach seiner Forderung kein Platz in der Brauchtumspflege sein.

Für spätere Zeiten sei überliefert, dass von der "Narrenzunft Aasee" im Jahre 1953 der Grundstein zur heutigen Bockwindmühle am Aasee und damit zum "Mühlenhof-Museum" gelegt wurde. Die Anlage hat Theo Breider als sein Lebenswerk ausgebaut, späteren Zeiten zur Besinnung. An dieser festlichen Stunde nahmen viele namhafte Gesellschaften aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Festgehalten wurde das Ereignis durch die "Fox Tönende Wochenschau", die damals zum erstenmal in Münster ein närrisches Ereignis aufzeichnete.

Es mögen einige Namen angeführt sein, deren Träger sich besonders verdient gemacht haben: Heinrich Fischer sen. als langjähriger Geschäftsführer, der durch umsichtige Geschäftsführung wesentlich zum gesunden finanziellen Aufbau der Gesellschaft beigetragen hat. Sein Sohn Heinz Fischer jun. prägte als exzellenter Büttredner wesentlich den “Stamm der Akteure der Narrenzunft Aasee".

Dem Geschäftsführer Heinrich Fischer sen. stand viele Jahre der bewährte “Erste Kassierer”, Heinrich Wessel, zur Seite. Zu nennen ist ferner der Narrensekretär Bernhard Bergmann. Er baute 1955 eine Tanzgruppe auf, die sich großer Beliebtheit erfreute und ihre Fortsetzung nach einer kurzen Unterbrechung von vier Jahren 1966 in der Gründung der Tanzgruppen der NZA durch Marie-Charlotte Dehne (damals Behrendt, geb. Schüring) fand. Die Tanzgruppen sind heute unter dem Namen NZA-Gardetanzsportgruppen e. V. ein Begriff in Münster und Umgebung.

Dank der Jugendgruppen hatte bislang die Narrenzunft Aasee keine Nachwuchssorgen. Zu den Säulen des Vereins gehört neben dem Elferrat auch die "Garde". Nachwuchssorgen haben die Aasee-Narren allenfalls bei den Akteuren, bei den Büttrednern und Stimmungssängern.

Zitat 1983: "Sie können heute keinen Gast mehr mit ,normalen' Büttreden begeistern - die Gäste sind heute alle verwöhnt." Gute Büttredner sind (nicht nur bei der Narrenzunft Aasee) rar und teuer. Und auch das ist ein Punkt, der sich mit der Vorstellung von volkstümlichem Karneval leider nicht ohne weiteres in Einklang bringen lässt.

Somit führte Georg Schüring fast 50 Jahre die Gesellschaft mit viel Geschick und Diplomatie durch alle Wogen und Wellen der Narretei und übergab – aus Altersgründen - die Führung an seinen Nachfolger, Helge Wolters.

Es spricht für die Narrenzunft, dass bis zum heutigen Tag „erst“ sechs Präsidenten am Ruder waren bzw. sind. Siehe hier auch die Chronik verdienstvoller Mitglieder des Präsidiums in der Vereinsgeschichte der NZA. Helge Wolters stand unserem „Schorsch“ nichts nach. Auch er wusste die NZA gut zu lenken! Mit unserem derzeitigen Präsidenten, Mortimer Behrendt, hat die NZA wieder ein dickes Los gezogen. Jung und dynamisch leitet er die unsere NZA!